Über 100 Jahre Sozialdemokratie in Dienheim

Seit mehr als hundert Jahren gibt es die SPD in Dienheim – und seit mehr als hundert Jahren prägt sie das Leben unseres Weindorfs am Rhein. Was 1919 in einer jungen, noch unsicheren Demokratie begann, ist heute ein lebendiger Ortsverein, der Verantwortung in der Gemeinde trägt. Ein Blick zurück zeigt, wie eng die Geschichte der Dienheimer Sozialdemokratie mit der Geschichte unseres Ortes verflochten ist – mit seinen Winzern und Arbeitern, mit Krieg und Wiederaufbau, mit Rückschlägen und Erfolgen.

Die Anfänge: Winzer, Arbeiter und ein neuer Anfang 1919

Die Wurzeln unserer Partei liegen im Weinbau und in der harten Arbeit auf den Wingerten und Feldern. Um die Jahrhundertwende stellten die Weinbergsarbeiter und Winzer die Mehrheit der Dienheimer Einwohner. Ihr Alltag war von Missernten, niedrigen Löhnen und wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt. Wer für bessere Bedingungen kämpfen wollte, begann sich zu organisieren. So ist überliefert, dass die Dienheimer Winzer Ende April 1907 für einen höheren Tagelohn eintraten und 50 Pfennig mehr pro Tag durchsetzten. Aus diesem Geist heraus, und im selben Jahr, in dem mit der Weimarer Republik die erste deutsche Demokratie entstand und Frauen erstmals wählen durften, gründete sich 1919 der SPD-Ortsverein Dienheim. Von Beginn an verstand er sich als Anwalt der Bedürftigen und als Stütze der jungen Demokratie.

In den Jahren der Weimarer Republik konnte die Dienheimer SPD bereits kommunalpolitisch Fuß fassen und stellte mit Philipp Steinfurth von 1923 bis 1928 den Bürgermeister.

Verbot und Verfolgung in der NS-Zeit

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete diese Aufbruchszeit jäh. Die SPD wurde 1933 verboten und verfolgt. In Dienheim, wo das Wahlergebnis die nationalsozialistische Dominanz spiegelte, mussten die Genossinnen und Genossen um ihre Sicherheit fürchten. Sozialdemokraten aus der Region wurden in das frühe Konzentrationslager Osthofen bei Worms verschleppt – auch Dienheimer Bürger waren darunter. Die Parteifahne des Ortsvereins konnte glücklicherweise gerettet werden: Versteckt in einer Wurstdose überdauerte sie die dunklen Jahre der Diktatur.

Diese Zeit hat tiefe Spuren hinterlassen, und sie ist zugleich Mahnung und Verpflichtung. Die SPD war die einzige Fraktion im Reichstag, die geschlossen gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte – ein Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie, das viele Sozialdemokraten mit Verfolgung, Haft und sogar mit dem Leben bezahlten.

Wiedergründung 1946 und Wiederaufbau

Kaum war der Krieg vorbei, fand die Dienheimer Sozialdemokratie zurück. Im April 1946 gründeten 17 Genossen den Ortsverein neu – viele von ihnen waren schon 1919 dabei gewesen. Zum ersten Vorsitzenden nach dem Krieg wurde Ludwig Metzler aus der Kirchstraße gewählt, Schriftführer war Franz Zentel. Bis zum Jahresende zählte der Verein 23 Mitglieder. Als erste, und damals noch einzigste, Frau im Ortsverein wird Babette Raab genannt.

In der Stunde Null übernahm die SPD Verantwortung für den Wiederaufbau. Mit Franz Krämer stellte sie von 1945 bis 1956 den ersten Bürgermeister der Nachkriegszeit. In den schweren Jahren von Not, Hunger und Währungsreform half die Partei mit, das zerstörte und entbehrungsreiche Leben in der Gemeinde wieder zu ordnen.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Ortsverein beständig: von 42 Mitgliedern im Jahr 1952 über 67 im Jahr 1980 bis auf über 90 Mitglieder in den 1990er Jahren. Mit ihnen wuchs auch der Anteil der Frauen, die zunehmend Verantwortung übernahmen.

Die Ära Edgar Henkel – viel bewegt für Dienheim

Einen Höhepunkt erlebte die Dienheimer SPD in den 1990er Jahren. 1994 gewann Edgar Henkel die erste Direktwahl des Bürgermeisters und errang zugleich die absolute Mehrheit im Gemeinderat. Mit Inge Koch übernahm erstmals eine Frau das Amt der 1. Beigeordneten. In nur wenigen Jahren wurde viel für die Gemeinde erreicht: die Generalsanierung der Sport- und Festhalle „Zum Siliusstein“, die Erschließung des Baugebiets Gänsgrub-Saar 4 mit rund 100 Bauplätzen, die Verlegung der gefährlichen B9 aus dem Ort sowie die Sanierung des Ehrenmals. In Erinnerung geblieben ist auch Edgar Henkels „noble Geste“, zugunsten einer zusätzlichen Stelle für die Gemeinde auf einen Teil seiner Bezüge zu verzichten – eine großzügige Entscheidung, die bei den Dienheimern auf große Zustimmung stieß.

100 Jahre – und noch mehr

2019 feierte der SPD-Ortsverein Dienheim sein 100-jähriges Bestehen unter dem Motto „Heimat mit Zukunft“. Die zu diesem Anlass erschienene Festschrift hält die bewegte Geschichte unseres Vereins fest und bildet bis heute die wichtigste Grundlage für die Erinnerung an die Anfänge.

Der jüngste Erfolg gelang bei der Kommunalwahl 2024: Mit Thorsten Wüstenhaus stellt die SPD seit über zwei Jahrzehnten wieder den Ortsbürgermeister von Dienheim. Als 1. Beigeordneter steht ihm Edgar Henkel zur Seite, der seine Erfahrung weiterhin in den Dienst der Gemeinde stellt. Damit knüpft die Dienheimer SPD an ihre große Tradition kommunalpolitischer Verantwortung an.

Heute für Sie da

Was die Dienheimer Sozialdemokratie über alle Jahrzehnte ausgemacht hat, gilt bis heute: Wir haben die wichtigen, wegweisenden Aufgaben unserer Gemeinde im Blick und packen mit Ideen, Engagement und Leidenschaft an. Unter dem Vorsitz von Joshua Schmitt setzen wir uns mit einem engagierten Team für ein modernes, lebenswertes Dienheim ein – im Vorstand, in der Gemeinderatsfraktion und überall dort, wo es im Ort etwas zu gestalten gibt.